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Kolloquium Venus-Transit 2004 in Grenchen vom 13.11.2004
Arnold von Rotz, 13.11.2004

 
  Bei der Ankunft in Grenchen Süd gab es zwar nicht einen so strahlenden Sonneschein wie anlässlich des Venus-Transits vom 8. Juni 2004. Keinen Abbruch tat dies bei den Venus-Beobachtern, die sich auf dem Weg und im Foyer des Parktheaters Grenchen begrüssten, dem eigenwilligen Theaterbau, der vom bekannten Zürcher Architekten Ernst Gisel erbaut wurde und dem vor wenigen Wochen von der ETH Zürich für sein Lebenswerk die Ehrendoktorwürde verliehen wurde.

Im Foyer wurden die über 60 Teilnehmer von Therese und Hugo Jost mit Kaffee, Gipfeli und hausgemachtem Zopf willkommen geheissen und in eine festliche und erwartungsvolle Stimmung versetzt, galt es doch zu vernehmen, was sich alles ereignet hatte, welche Resultate mit der Schweizweiten Beobachtung des Venus-Transits erzielt wurden usw. Man erzählte von den Erlebnissen bei diesem Ereignis, mit welchen Instrumenten beobachtet wurde, welche Reaktionen das Publikum gezeigt hatte, ob man den schwarzen Tropfen gesehen habe usw. Kein Wunder, das der Venus-Transit das Hauptgesprächsthema war. Erfreulich war es Sternfreunde zu sehen, mit denen man seit Jahren nicht mehr einen Gedankenaustausch pflegen konnte. Andere Erinnerungen wurden ausgetauscht; natürlich kam man immer wieder auf den strahlenden 
8. Juni zu sprechen, auf den Tag, an dem uns die Venus erstmals nach rund 121 Jahren wieder eine Vorstellung vor der Sonne gab, wie sie kein heute lebender Mensch je gesehen hat.

Therese Jost, die Organisatorin 
und Gute Fee der Tagung

Um 10 Uhr versammelte sich das Plenum im Theatersaal zur Begrüssung durch Hugo Jost. Zur Freude aller gab es zum Beginn für drei Berner eine Überraschung; fälschlicherweise gelten die Berner nicht als die schnellsten. Therese Jost überreichte zur Begrüssung ein Präsent an 
Dr. Heinz Strübin, ehemaliger Präsident der SAG, dessen Anmeldung zu diesem Treffen als erste eintraf und Dr. Max Hubmann, der mit seiner Anmeldung terminlich im Mittelfeld lag. Als besonderen Willkommens-gruss überreichte Therese ein weiteres Präsent an Prof. Dr. Paul Wild, ehemaliger Direktor am Astronomischen Institut der Universität Bern, der auch als Referent im Kreis von uns Astroamateuren immer wieder gern gesehen wird. Zudem durfte sich schon mancher Sternfreund vertrauensvoll an Professor Wild wenden, wenn bei ihm Fragen auftauchten, die das Wissen und die Kenntnisse von uns Amateuren überstiegen. Paul Wild war noch nie um eine kompetente, ausführliche und vor allem auch verständliche Antwort verlegen, die er meist in seiner markanten und ihm eignen Handschrift verfasste.


Das AVZ-Projekt Venustransit 2004
Auslöser für die Idee, den Venustransit zur Bestimmung der Astronomischen Einheit AE nach den Methoden von Halley mit den heute den Amateuren zur Verfügung stehenden Mitteln zu ermitteln war ein Vortrag von Walter Bersinger über James Cook (1728— 1779). Vorbilder waren die Unternehmungen der Astronomen früherer Jahrhunderte, die versuchten, mit trigonometrischen Methoden die mittlere Entfernung der

Prof. Dr. Paul Wlld
 im Gespräch mit Reny Montandon.

Erde von der Sonne zu bestimmen. In früheren Zeiten besonders wichtig für die Bestimmung der Sonnenparallaxe waren die Venusdurchgänge. Die wesentlich exaktere Methode zur Bestimmung der AE mittels Radar gibt es erst seit 1958. An der Tagung der Internationalen Astronomischen Union im Jahre 1976 wurde die AE, die auch als eine astronomische Konstante gilt, mit dem neuen Wert von 149 597 870 km angenommen.

Nach den Ausführungen von Andreas lnderbitzin nahm das Projekt, den Venustransit mit heutigen Amateurmitteln zu beobachten, daraus die Astronomische Einheit zu berechnen und die Resultate mit jenen der Fach-Astronomen früherer Jahrhunderte zu vergleichen, an der ersten Sitzung vom 26. Oktober 2000 in der Universität Zürich Irchel konkrete Formen an. Das Projekt der Amateure sah vor, beim Venustransit vom 8. Juni 2004 den Versuch zu unternehmen, nach den Methoden der Vorbilder des 18. und 19. Jahrhunderts die Astronomische Einheit mit den heute den Amateuren zur Verfügung stehenden Mitteln zu bestimmen und mit den Resultaten der Astronomen früherer Jahrhunderte zu vergleichen. Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Geschichte, Kinematik, Instrumente, Beobachtung, Kontakte und Auswertung zu befassten hatten. Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, alle Fragen und eventuellen Probleme, die sich bei der Beobachtung ergeben könnten, vor dem Ereignis zu klären und sicher zu stellen, dass möglichst nichts schief gehen konnte. Ein Transit des Planeten Merkur, der am 7. Mai 2003 stattfand und der ebenfalls bei gutem Wetter beobachtet werden konnte, bot eine günstige Gelegenheit zum „Üben“. Computer und GPS standen den Fachastronomen früherer Jahrhunderte noch nicht zur Verfügung, heute waren sie für das Unternehmen der Amateure unentbehrliche Hilfsmittel. Mit dem Vorhaben sollte auch die Freude an unserem schönen Hobby gefördert werden und neue Freundschaften entstehen. Leider konnten auf der südlichen Halbkugel unserer Erde keine Amateure gefunden werden, die sich für unsere Idee begeistern liessen.

Erlebnisse und Resultate der Beobachtungen in Luzern
Wie vielerorts in der Schweiz, so gestaltete sich der Venustransit nach den Worten von Marc Eichenberger auch in Luzern zu einem kleinen Sommerfest. Auf der Sternwarte Hubelmatt und im Verkehrshaus wurde der Öffentlichkeit Gelegenheit geboten, den Vorübergang des kleinen Venusscheibchens vor der Sonne zu sehen. Den verschiedenen Kinderzeichnungen konnte entnommen werden, dass dieses Ereignis auch bei der Jugend einen grossen Eindruck hinterliess.

Wo war der schwarze Tropfen?
Wie Hugo Jost in seinem hervorragend dokumentierten Vortrag zeigen konnte, ist der viel zitierte „Schwarze Tropfen“, der bekanntlich von den Astronomen früherer Jahrhunderte beim zweiten und dritten Kontakt gesehen, jedoch am 8. Juni von den wenigsten Beobachtern bemerkt werden konnte und deshalb bezweifelt wurde, eine Realität. Nach seinen Ausführungen kann dieses Rätsel nicht als Sinneseindruck oder als Einfluss der Erdatmosphäre interpretiert werden, sondern ist ein Phänomen, das mit der beobachtenden Optik zusammenhängt. Beweis dafür ist, dass diese Erscheinung auch bei extraterrestrischen Beobachtungen auftritt.

Thomas Friedli hält seinen Vortrag
 im gut besetzten Saal.

Beim Apèro, gestiftet von der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft, und dem anschliessenden Mittagessen wurden die eigenen Erlebnisse und das Gehörte ausgiebig diskutiert, persönliche Erfahrungen ausgetauscht und neue willkommene Freundschaften geknüpft. Wer den schwarzen Tropfen bisher nicht gesehen und auch nicht an ihn geglaubt hatte, für den lag der Beweis in Form eines Papiermodels beim Gedeck auf dem Mittagstisch, er ist nun für jedermann eine Realität.

Venustransit digital Erfahrungen für routinemässige Sonnenfotografie
Thomas Friedli zeigte anhand von Digitalaufnahmen, dass der Venustransit Gelegenheit bot, in der Familie und unter Freunden ein kleines Fest zu veranstalten und dabei trotzdem den wissenschaftlichen Aspekt nicht ausser acht zu lassen.



Bestimmung der Astronomischen Einheit ohne zweiten Beobachtungsort

Gespannt waren viele auf das Referat von Roland Brodbeck, der sich mit Arnold Barmettler und Marc Pesendorfer vorgenommen hatte, ohne zweiten Beobachtungsstandort die AE zu ermitteln. Anhand von sieben ausgewerteten Messungen des Venustransits kamen sie nach ihren Berechnungen für die AE auf den erstaunlich genauen Wert von 145,4 Millionen Kilometer, ±5,4 Millionen Kilometer. Für viele überraschend war auch die Genauigkeit, die sich aus Ihren Merkurbeobachtungen ergab. Aus diesen Beobachtungen errechneten sie die AE zu von 147 Millionen Kilometer, ±13 Millionen Kilometer.

„Die Flausen der Venus während dem Transit vom 8.Juni 2004“
Eine anregende jedoch nicht ganz ernst zu nehmende Beobachtung demonstrierte Andreas Tarnutzer. Ein azimutal aufgestelltes Beobachtungsinstrument hinterliess den Eindruck, der Lauf der Venus, das Sinnbild der griechischen Liebesgöttin Aphrodite vor der Sonnenscheibe vollziehe sich nicht auf einer Geraden, sondern vollführe einen grossen Bogen und verlasse die Sonnenscheibe beim vierten Kontakt dort, wo sie Helios den ersten Berührungskuss verliehen hatte. Eine Erscheinung, die vor allem blutige Laien nachdenklich machte und von den Demonstratoren eine Erklärung über die Drehung des Himmelsgewölbes verlangte.

9000 Jahre Venustransit
Gerhart Klaus zeigte uns mit seinem interessanten „EKG der Venus“ (Beitrag in dieser Publikation) die periodische Wiederkehr der rund 110 Venustransits innerhalb eines Zeitraumes von 9000 Jahren.

Beim Mittagessen

Dass den Organisatoren auch das leibliche Wohl sehr am Herzen lag, belegte der Pausenkaffe mit verschiedenen hausgemachten Kuchen, der am Nachmittag von den Veranstaltern offeriert wurde.

Dank und Ausblick
Sichtlich beeindruckt von der gelungenen Zusammenkunft war auch Dieter Späni, Präsident der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft SAG. Er richtete seine Dankesworte an das Ehepaar Therese und Hugo Jost, die keinen Aufwand gescheut hatten, für alle ein denkwürdiges Treffen zu veranstalten, an die Referenten und alle Teilnehmer, die bewiesen, dass in den Sektionen der SAG ein aktives Gesellschaftsleben herrscht, und an die Sternfreunde allgemein, die er aufrief, auch in Zukunft gemeinsam die Astronomie zu erleben. Um verschiedene Erfahrungen reicher verstreuten sich die Teilnehmer gegen 17 Uhr in alle Gegenden der Schweiz.

Venustransit Bildergalerie
Eine Kostprobe zur Bildergalerie präsentierte Hugo Jost mit Bildsequenzen zum Venustransit, Öffentlichkeitsarbeit mit dem Solarscope an Kindergärten und Schulen in Grenchen und Bettlach, Präsenz der Medien, Beobachtungen, die Kinder in Zeichnungen festhielten usw.

Wer ein Dokument über alle Vorträge und die reiche Bildergalerie der Tagung, über die von der Astronomischen Vereinigung Zürich erarbeiteten Publikationen, über die Bilder des Transits von Venus und Merkur sowie andere Information zu diesen denkwürdigen Ereignissen haben möchte, kann diese bei der Astro-Werkstatt von Hugo Jost bestellen; Kosten pro CD: 10 Franken.

 
     
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