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Mein 5-Jahres Weg mit dem Venus-Transit 2004
Hugo Jost, 2004

 
  Am 26. Oktober 2000 nahm ich an der ersten Sitzung der Astronomischen Vereinigung Zürich (AVZ) in der Universität Zürich Irchel zum Start des Projektes „Venustransit 2004“ teil. Wir alle ahnten nicht, welche Ausmasse dieses Projekt annehmen würde. Es sah vor, beim Venustransit vom 8. Juni 2004 den Versuch zu unternehmen, nach den Methoden der Vorbilder des 18. und 19. Jahrhunderts die Astronomische Einheit mit den heute den Amateuren zur Verfügung stehenden Mitteln zu bestimmen und mit den Resultaten der Astronomen früherer Jahrhunderte zu vergleichen.

Die Projektarbeit
Während vier Jahren lasen wir alte Berichte, machten uns schlau über die Beobachtungs- möglichkeiten, bereiteten die Messmethoden und Auswertemethoden vor und nicht zuletzt, pflegten auch die Kameradschaft.

Der grosse Tag
In der Nacht auf den 8. Juni hat wohl kaum noch jemand aus unserem Projekt ruhig geschlafen. Gut, die Wetterprognose war super. Aber trotzdem! Man weiss ja nie, was alles passieren kann und, eine zweite Chance kriegen wir in der Schweiz zu Lebzeiten nie mehr.

Wie immer bei seltenen Astronomischen Ereignissen muss man sich vor dem Ereignis überlegen, wie und was man selber beobachten kann. Nicht alles ist gleichzeitig machbar. Zu gross ist das Risiko, dass in der Hektik etwas schief geht und man am Schluss buchstäblich mit leeren Händen dasteht.

Mein klares Ziel war, möglichst präzise Messresultate zu erzielen die derart dokumentiert sind, dass man auch noch Jahre später Auswertungen machen kann. Ich verzichtete also bewusst auf visuelle Messungen und konzentrierte mich auf die fotografische Beobachtung. Zugegeben, ich sah den Venustransit im grossen und ganzen nur durch den Sucher der Kamera. Aber der Unterschied zur Beobachtung am Fernrohr ist recht klein. Ich habe den Venustransit auch so genossen.

Um sechs Uhr, es war noch recht kühl, baute ich mein fotografisches Instrument auf, prüfte ein letztes Mal alles und wartete auf den Beginn des Transits. Nach und nach tauchten weitere Mitglieder der Astronomischen Gruppe der Jurasternwarte auf. Gleichmässig verteilt, um  gegenseitige Störung zu vermeiden, standen kurz vor Sieben die unterschiedlichsten Fernrohre bereit.

Dann, pünktlich wie vorausberechnet, schob sich die Venus langsam in die Sonne hinein. Ein atemberaubendes, auch etwas unheimliches Ereignis welches mich die nächsten 6,5 Stunden voll beschäftigen würde.

Auch in der Jurasternwarte wurde das Ereignis fleissig fotografiert und den Besuchern gezeigt und erklärt.

Visuelle Beobachtungen
Im Rahmen des Projektes Venustransit versuchten wir, die im Bericht „Historische Bedeutung der Venustransite“ beschriebene Mess- und Auswertemethode für die Bestimmung der „Astronomischen Einheit „nachzuvollziehen. Innerhalb weniger Tage nach dem Venustransit erreichten mich rund 200 Messresultate von 22 Beobachtern an 20 verschiedenen Standorten in sechs Ländern.

Die Darstellung der Berechnungen und Auswertungen ist im Rahmen dieser Publikation nicht möglich. Interessenten können den ausführlichen Bericht per e-mail bestellen (info@jurasternwarte.ch ).

Die Auswertung ergab einen Fehler von maximal 2% gegenüber dem tatsächlichen Wert was als sehr gutes Resultat betrachtet werden kann.

Fotografische Beobachtungen
Bei der fotografischen Beobachtung konzentrierte ich mich darauf, die Kontaktzeiten des Venustransits möglichst genau zu bestimmen. Daraus kann dann, wie bei der visuellen Methode, die „Astronomische Einheit“ bestimmt werden.

Um die unvermeidlichen Ungenauigkeiten auszumerzen entschloss ich mich, insgesamt gegen 200 Aufnahmen zu machen. Das Aufnahmeprogramm sah wie folgt aus:

Phase 1 :
- Kurz vor Kontakt 1 bis kurz vor Kontakt 2.
-
36 Aufnahmen (1 Film, kein Filmwechsel!!!)
- Abstand der Aufnahmen: 30 Sekunden
- Bewegung der Venus 2`` pro 30 s.
- Zeitbereich: 18 Minuten (07:20:00 – 07:37:00)
- Ergibt maximal 36 Messpunkte während linearer Bewegung der Venus.

Phase 2 :
- Kurz vor Kontakt 2 bis nach Kontakt 2.
- 36 Aufnahmen (1 Film, kein Filmwechsel!!)
- Abstand der Aufnahmen: 5 Sekunden (mit kurzen Pausen infolge Unglücksfällen)
- Bewegung der Venus 1/3`` pro 5s.
- Zeitbereich geplant: 3 Minuten (07:38:00 – 07:41:25). Effektiv 07:39:20 - 07:42:41
-
Ergibt maximal 36 Messpunkte während linearer Bewegung der Venus.

Phase 3 :
- Nach Phase 2 bis 3 Minuten vor K3.
-
64 Aufnahmen (2 Filme)
- Abstand der Aufnahmen: 5 Minuten
- Zeitbereich: 5h 10 Min. (07:45:00 – 12:55:00)
-
Ergibt maximal 64 Messpunkte während des Transits

Phase 4 :
- Wie Phase 2, kurz vor K3 bis kurz nach K3

Phase 5:
- Wie Phase 1, kurz nach K3 bis nach K4

Phase 6:
- Mit Sonnenbrand und total erschöpft Mittagessen im Bergrestaurant Oberberg




Arbeit während einer Plenar-Sitzung.



Aufbau der Instrumente auf dem Obergrenchenberg.



Fotografische Beobachtungen.



Transit-Beobachtung in der Jura-Sternwarte



Grafische Auswertung der Transi-Dauer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vergleich Venus in der Jura-Sternwarte und in Namibia.

Foto Schweiz: Hugo Jost, Grenchen
Foto Namibia: Fred Nicolet, Solothurn

 
  Das Arbeitspensum in der immer heisser werdenden Sonne war recht gross und auch für Spannung war gesorgt, musste doch der ganze Zeitplan sekundengenau eingehalten werden. Ein Vorhaben, das gegen Ende der sechseinhalb Stunden doch recht mühsam und anstrengend wurde.

Nach diesem anstrengenden Morgen mussten nun als erstes die Filme entwickelt werden. Danach wurde Bild für Bild digitalisiert und auf dem Computer gespeichert. Bei der Menge der Bilder waren schon bald ein paar Abende vorbei.  

Dann ging es daran, die Bilder auszumessen. Eine mühsame, langweilige und zeitfressende Tätigkeit.

Und dann endlich konnte mit der Auswertung begonnen werden. Die Auswertung beschäftigte mich bis Mitte Oktober: Volle 3 Monate. Doch: Die ganze Mühe hat sich gelohnt.

Die Transitdauer konnte mit einer Genauigkeit von 0.08% bestimmt werden!

  • Transitdauer : 5:24:51(Soll:5:24:33)
  • Genauigkeit:   0,082%

Was ist noch zu tun?
Nun: Insgesamt rund 200 visuelle Beobachtungen und rund 1000 Fotos haben sich bis heute bei mir angesammelt. Bis heute konnte ich alle visuellen Beobachtungen und rund einen Viertel der Fotos auswerten. Material für weitere Untersuchungen und Auswertungen wäre also noch mehr als genug vorhanden. Aber: Die für die Auswertung benötigte Zeit fehlt leider!

Das Kolloquium Venustransit 04
Am 13. November 2004 organisierten Therese und ich zusammen ein Kolloquium zum Venustransit. Es war ein grosser Erfolg (siehe Bericht von Arnold von Rotz) und spornt uns an, auch in Zukunft ähnliche Veranstaltungen zu organisieren.

Wie weiter?
Beinahe fünf Jahre sind seit meinem ersten ernsthaften Kontakt mit dem Venustransit 2004 vergangen. Interessante, ereignisreiche Jahre liegen hinter mir.

Unbeeinflusst von allen unseren menschlichen Bedürfnissen und Sorgen ziehen die Gestirne ruhig ihre vorbestimmten Bahnen. Und mit Sicherheit wird die Venus am 12. Juni 2012 zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert vor der Sonne durchziehen, bevor Sie dann eine lange, 105 Jahre dauernde Pause einlegt. Ich hoffe sehr, dass ich diesen zweiten Durchgang 2012 in Australien miterleben kann. Das Erlebnis, zwei Venustransits zu sehen, war bisher nur sehr wenigen Menschen vorbehalten. Ich bin mir bewusst, zu den Privilegierten zu gehören, die diese Chance überhaupt nutzen können.

Den übernächsten, in 2117 statt-findenden Venustransit wird kein heute lebender Mensch mehr erleben können. Wie die Welt in 114 Jahren, einem aus kosmischer Sicht völlig bedeutungs- losen Augenblick, wohl aussehen wird? Welche Fortschritte die Wissenschaft, die Technik, die Medizin ... machen werden, wir wissen es nicht.

Wir können es, wenn wir die Entwicklungen der letzten 100 Jahre im Rückblick betrachten, nicht einmal erahnen. So wollen wir hoffen, dass im Jahre 2117 die Welt ein klein bisschen besser und friedlicher aussehen wird als heute.

 

 
     
hugo jost

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