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Totale Sonnen-Finsternis 2006 in der Türkei
Theres Klaus, 29.3.2006
Gerhart Klaus, 29.3.2006

 
 

Die aufregende, jedoch letztlich gelungene Spanienfahrt im Herbst 2005 zur Ringförmigen Sonnenfinsternis lag uns noch in bester Erinnerung. Nach dem langen und kalten Winter beschlossen wir, am 29. März 2006 in der Türkei die Totale Sonnenfinsternis zu erleben. Auf dem Reisebüro konnten wir mit viel Glück noch die letzten zwei freien Plätze für das Flugzeug buchen

Nun ging’s ans Überlegen:

Geri wollte zwei Fotostative mitnehmen, die Optiken jedoch im Handgepäck verstauen, für den Fall, dass die Koffern wieder, wie letztes Jahr, nicht zur Zeit ankämen. Dafür bastelte er auch noch schnell einen faustgrossen Holzsockel, welchen er notfalls an einem Tisch anklammern könnte.

Einräumen - Ausräumen ... Es war das reinste Kreuzworträtsel mit vielen Diskussionen.

24 Stunden vor der Finsternis landeten wir in Antalya. Alles klappte bestens und ein Bus brachte uns ins Hotel Sidestar am Meer. Viele Amateure probten bereits überall mit ihren Fern-rohren und erteilten sich gegenseitig freundschaftlich gute Ratschläge. Während ich mich ein wenig hinlegte, startete Geri, um für morgen einen geeigneten Beobachtungsplatz zu suchen. Bald kehrte er sehr zufrieden zurück, hatte er doch einen kleinen idealen Rasen direkt am Strand gefunden. In dieser Nacht schliefen wir recht unruhig. Am Morgen packten wir alles Nötige zusammen, um uns unter den Palmen  einzurichten. 

Dort wimmelte es aber bereits von Menschen. Eine deutsche Astro-Gruppe hatte unsere Ecke mit rotweissen Plastikbändern abgesperrt. Da gab es jede Variante von Optiken zu sehen. In der Mitte stand ein wahrlich altertümlicher, meterlanger Refraktor, umringt von einigen "Russentonnen" und vielen weiteren Spiegelfernrohren. Man fühlte sich direkt in die Teleskopausstellung einer Amateur-agung versetzt.

Für Leute ohne spezielle Finsternisbrillen, und auch für die Kinder, wurde das Schauspiel des Ein- und Austritts des Mondes vor der Sonnenscheibe mit einem kleinen Fernrohr auf einen weissen Karton projiziert. Die Zeit schien uns zu knapp für die Suche nach einem andern Standort. So installierten wir uns auf einem angrenzenden Kinderspielplatz. Bald hatte ich grosse Mühe, die erregten, wild herum rennenden Jungastronomen abzufangen, bevor sie Geris Stative umgeworfen hätten. Ein allzu keckes Jüngelchen liess sogar polternd kleine Stühle die Rutschbahn hinunter schlittern. Bald trompetete er begeistert von oben:

"Der Mond frisst die Sonne auf!"

Tatsächlich schob sich dessen Schatten langsam von unten her über das gleissende Tageslicht. Ringsum herrschte gespannte Stille. Alle waren beschäftigt mit Knipsen und Beobachten. Eine einsichtige Mutter betreute unterdessen ihre zapplige Kinderschar.

Als die hohen Strandlampen automatisch aufblitzten, gab es eine grosse Aufregung. Aber sie wurden nach vielstimmigen Protesten rasch wieder gelöscht. Geri ärgerte sich, als sein Linsenobjektiv nicht funktionierte. Sein Kugelkopf war zu klein und es rutschte ab, zwei Minuten vor der Totalität! So konzentrierte er sich ganz auf sein zweites Instrument. Ich sah mit meiner Spezialbrille staunend dem grossen Ereignis entgegen. Der Eintritt der Finsternis überrumpelte mich völlig, weil ich sie mir nicht so grossartig vorgestellt hatte. Die helle Korona schickte ihre gebündelten Strahlen seitwärts weit in den verdunkelten Himmel hinaus. Rote Protuberanzen leuchteten am oberen Rand. Über dem Meer lag eine zarte Morgenröte. Wie ein Brillant glitzerte darin die Venus. Gespenstisch schillerten die Wellen...

Am Ende der totalen Phase klatschten alle begeistert wie im Theater. Drei Minuten sind kurz, doch lange genug, um in uns ein Gefühl der Weite und Unendlichkeit zu erwecken. Noch immer staunte ich. Mit meinen Gedanken war ich weit weg und stellte mir vor, was passieren würde, wenn unsere Sonne nie mehr scheinen würde. Alles Leben auf der Erde ist abhängig von deren Licht. Verständlich finde ich, dass es Völker gibt und gab, welche sie anbeten. 

Eines unserer Kirchenlieder heisst:

Die goldne Sonne
Voll Freud und Wonne
Bringt ihren Grenzen
Mit ihrem Glänzen
Ein herzerquickendes,
liebliches Licht.

Mein Haupt und Glieder
Die lagen darnieder
Nun aber steh' ich
Bin munter und fröhlich
Schaue den Himmel
mit meinem Gesicht.
 

Ist dies  nicht der Ausdruck von heller Lebensfreude?

Am Abend waren schon die ersten Finsternisfotos zum Verkauf ausgestellt im Hotel. Aber ich zog meine eigenen Eindrücke und Erinnerungen vor. Noch erlebten wir interessante Tage in der Türkei.

Nach der Rückreise in die Schweiz brachte Geri seinen Kodachromfilm ins Fotogeschäft. Er musste in Frankreich entwickelt werden. Das waren bange Tage bis wir die Fotos endlich im Computer betrachten konnten. Es entstand daraus, mit zusätzlichen Aufnahmen von Franz Conrad, ein schönes Album.       

                                             


Das Zoom-Objektiv auf dem Kugelkopf


Geri am kleinen Spiegel-Tele


Sie Sonnenbild-Projektion


Amateure am werk. Rechts der 10-cm Refraktor


Nochmals: Amateure am Werk




 
          
Die partielle Phase, der Mond bedeckt die halbe Sonne       Die innere Korona mit einer kleinen Protuberanz

 

   
           
                       Unser bestes Korona-Bild                                         Die Korona in Isophoten-Darstellung 
   
     
hugo jost

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