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Wir
zwei alten Kläuse beschlossen recht spät die Ringförmige Sonnen-Finsternis
in Spanien zu erleben und bestellten den Flug nach Alicante und ein
Mietauto. Da bemerkte Geri mit Schrecken, dass er in meinem und ich in
seinem Pass unterschrieben hatte. Am Freitag vor dem Sonntagsstart
besorgte er in letzter Minute schnell noch provisorische Ausweise in
Solothurn. Nun konnten wir packen.
Die Optik für die Aufnahmen wollten wir sicher im Handgepäck mitnehmen.
Das langbeinige Stativ aber wurde im grossen Koffer verstaut.
Am 25. September startete die Maschine über sonnenbeschienenes Land.
Schon nach zwei Stunden landete sie in Alicante.
Wir freuten uns und waren bester Laune. Bald standen alle Passagiere beim
Förderband der Gepäckausgabe. Schliesslich, nach einer Stunde
ungeduldigen Wartens, berichtete ein Angestellter, man hätte die Türe
zum Gepäckraum des Jumbolinos nicht öffnen können. Um den Fahrplan
einzuhalten sei er längst wieder gestartet Richtung Kloten. "Mit
unseren Koffern?" fragten viele ungläubig und entsetzt. Man bat alle
Betroffenen sich beim Dringlichkeitsschalter aufzureihen, die Ausweise zu
zeigen und Angaben zu hinterlassen über ihr Gepäck und die vorläufige
Adresse in Spanien. Es dauerte eine Ewigkeit, bis alles im Computer
eingetippt war. Kleinkinder weinten, grössere spielten Fangis im Tumult.
Alte sassen abgekämpft am Boden. Einige brüllten sich an und wünschten
die "Swiss" zum Teufel, denn sie wurden zur Weiterreise an ihr
Ferienziel erwartet. Zuletzt übersetzte uns ein Spanier alle Fragen und
übergab dann die Telefonnummer des Büros.
Noch
hatten wir keine Unterkunft in Sicht. Mit dem gemieteten Auto fuhren wir
in unseren warmen Kleidern durch die heisse ausgedörrte Landschaft und
hofften, in Benidorm einen Bungalow zum Übernachten zu finden. Doch wir
ernteten überall Absagen, bis wir erschöpft und hungrig einen Platz,
allerdings weit vom Meer entfernt, fanden zum Ausruhen. Man übergab uns
den Schlüssel und wünschte "Gute Nacht".
Aber seit dem Morgenessen und dem Minisnack während des Fluges hatten wir
nichts mehr zu uns genommen. Entlang der breiten Strasse suchten wir nach
einem Restaurant. Alle waren schon geschlossen. Es begann bedrohlich zu
blitzen und laut zu donnern, als wir schliesslich unter dem Sonnendach
einer kleinen Bude die bestellte Pizza muffelten. Bald prasselten Sturzbäche
aufs Strassenpflaster und wir rückten etwas näher zusammen. Wie sollten
wir die weite Strecke zum Nachtquartier bewältigen, ohne die nassen
Kleider wechseln zu können? Als letzte Gäste rannten wir bei
nachlassendem Regen abwärts und fanden erstaunlicherweise den Bungalow.
Aber Geri konnte im Dunkeln die Türe nicht aufschliessen. Bei der
Reception gab es zu dieser späten Stunde keine Hilfe mehr. Endlich
ertasteten wir den Lichtschalter der Aussenlampe und stocherten mit dem
Schlüssel weiter, bis die verflixte Türe aufsprang. Oh nun schnell ins
Bett und endlich Ruhe! Es fehlten uns aber die Nachtkleider und, und, und
...
Die Decke war nur ein dünnes Leintuch. In unseren Jacken schliefen wir
trotzdem ein. Am nächsten Morgen fühlte ich mich müde und abgeschlagen.
Geri eilte unrasiert davon um ein Frühstück zu besorgen. Hierauf
beschlossen wir weiter zu fahren Richtung Calpe. Wie in Benidorm
versperren auch hier hohe Wolkenkratzerhotels jede Aussicht und den
imposanten Felsen im Meer.
Wir parkierten im Fremdentrubel und schlenderten dem Strand entlang.
Rechts Restaurants, Bars, links gelangweilte füllige Gäste auf
gemieteten Liegestühlen. Nein, da wollten wir nicht bleiben. Der Küstenstrasse
entlang rollten wir weiter durchs malerische Villenquartier, beachteten
jede Affiche und fragten lange ohne Erfolg nach Unterkunft. Ich war dem
Weinen nahe, als Geri zu einem herrschaftlichen Tor abbog. Vor dem Büro
empfing uns eine Deutsch sprechende, liebenswürdige Frau mit ihrem bunten
Papagei auf der Hand.
"Ja
momentan sind zwei Appartements frei", nickte sie eifrig. Wir wählten
das bescheidenere, vier Meter vom riesigen Swimmingpool entfernte. Hohe
Dattelpalmen fächelten im Wind. Wir bestaunten mannshohe Kakteen und
freuten uns an der unglaublichen Blumenfülle des weiten Gartens. Zum
nahen Meer gelangte man an einer Voliere vorbei durchs hintere Gartentürchen
eine Treppe abwärts.
Noch mussten wir leider viele
Kilometer nach Benidorm und dann nach Alicante zurückfahren, um endlich
nach einem Telefonanruf unser Gepäck abzuholen. Das war der letzte
Stress!
Nun begannen die beschaulichen Ferientage in "Cutty Sark"
Am 3.Oktober zeigte sich der Himmel entgegen der letzten Tage fast
wolkenlos. Wir sassen gemütlich vor unserer hübschen Wohnung und
beobachteten alle Phasen der Rinförmigen Sonnen-Finsternis.

Diese
acht Fotos umspannen den Zeitraum von 90 Minuten
mit
der zentralen Phase um 11:03 Uhr.
Gerhart Klaus, 3.10.2005

Die zentralen 5 Minuten der Finsternis sind hier in kurzer Folge
nochmals auf acht Aufnahmen zusammengestellt.
Gerhart Klaus, 3.10.2005
Schon um 9:40 Uhr begann die dunkle Mondkugel sich vor die gleissende
Sonne zu schieben. Manchmal liehen wir unsere speziellen Finsternisbrillen
den Nachbarn aus. Alle staunten und wurden zusehend ruhig und bescheiden.
Geri knipste und war in seinem Element. Er macht gegen 60 Aufnahmen.
Schliesslich leuchtete um 11:03 nur noch ein schmaler goldener Ring vom
blassen Himmel. Es herrschte aber nicht dunkle Nacht. Immer mehr gab
danach die schwarze Mondscheibe die Sonne wieder frei. Verzaubert blieben
wir sitzen. Was war unser zappelndes Leben neben diesem unbeschreiblichen
Ereignis! Die weiteren Tage genossen wir dankbar und bewusst und brachten
die belichteten Filme im Handgepäck sicher in die Schweiz. Die Bilder
sind gut gelungen und die Pechsträhnen der ersten Ferientage in weiter
Ferne. Wenn möglich möchten wir auch die Totale Sonnenfinsternis Ende März
2006 in der Türkei erleben.
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Unser Jumbolino fliegt über Toulon
auf's Mittelmeer hinaus.

Kurz vor der Landung in Alicante
zieht die Balearen-Insel Formentera vorüber.

Der Wolkenkratzer-Wald von Benidorm
entspricht nicht unserem Ideal von Ferien.

Der eindrückliche Felszahn des "Penion de Ifach"
bei Calpe von Norden gesehen.

Unsere Wohnung auf dem Gut "Cutty Sark" grenzt
direkt an den 25 Meter langen Swimming-Pool.

Direkt neben unserer Wohnung
steht ein kleiner Wald von Dattelpalmen.

Geri mit seiner Sonnenfinsternis-Kamera
zwischen der Wohnungstüre und dem Pool.

Das kleine Spiegeltele 8/600 mm von Sigma gibt
mit dem 2x Konverter auf Film ein
Sonnenbild von 11mm Durchmesser.

Das wild zerklüftete Cap de la Nao liegt fast
genau auf der Zentral-Linie der Sonnen-Finsternis.

Natürlich
ist es nicht möglich den Sonnenring der Finsternis zusammen mit der
Landschaft auf einem Bild direkt aufzunehmen. Der Helligkeitsunterschied
ist dafür viel zu gross. So habe ich ein wenig geschwindelt und zwei
Fotos auf dem Computer zu einem Bild vereinigt. Aber das Resultat
rechtfertigt doch wohl diesen Trick.
Gerhart Klaus, 3.10.2005
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