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Eine Sonnenfinsternisreise mit Hindernissen
Theres Klaus, 3.10.2005

 
  Wir zwei alten Kläuse beschlossen recht spät die Ringförmige Sonnen-Finsternis in Spanien zu erleben und bestellten den Flug nach Alicante und ein Mietauto. Da bemerkte Geri mit Schrecken, dass er in meinem und ich in seinem Pass unterschrieben hatte. Am Freitag vor dem Sonntagsstart besorgte er in letzter Minute schnell noch provisorische Ausweise in Solothurn. Nun konnten wir packen.

Die Optik für die Aufnahmen wollten wir sicher im Handgepäck mitnehmen. Das langbeinige Stativ aber wurde im grossen Koffer verstaut.

Am 25. September startete die Maschine über sonnenbeschienenes Land. Schon nach zwei Stunden landete sie in Alicante.

Wir freuten uns und waren bester Laune. Bald standen alle Passagiere beim Förderband der Gepäckausgabe. Schliesslich, nach einer Stunde ungeduldigen Wartens, berichtete ein Angestellter, man hätte die Türe zum Gepäckraum des Jumbolinos nicht öffnen können. Um den Fahrplan einzuhalten sei er längst wieder gestartet Richtung Kloten. "Mit unseren Koffern?" fragten viele ungläubig und entsetzt. Man bat alle Betroffenen sich beim Dringlichkeitsschalter aufzureihen, die Ausweise zu zeigen und Angaben zu hinterlassen über ihr Gepäck und die vorläufige Adresse in Spanien. Es dauerte eine Ewigkeit, bis alles im Computer eingetippt war. Kleinkinder weinten, grössere spielten Fangis im Tumult. Alte sassen abgekämpft am Boden. Einige brüllten sich an und wünschten die "Swiss" zum Teufel, denn sie wurden zur Weiterreise an ihr Ferienziel erwartet. Zuletzt übersetzte uns ein Spanier alle Fragen und übergab dann die Telefonnummer des Büros.

Noch hatten wir keine Unterkunft in Sicht. Mit dem gemieteten Auto fuhren wir in unseren warmen Kleidern durch die heisse ausgedörrte Landschaft und hofften, in Benidorm einen Bungalow zum Übernachten zu finden. Doch wir ernteten überall Absagen, bis wir erschöpft und hungrig einen Platz, allerdings weit vom Meer entfernt, fanden zum Ausruhen. Man übergab uns den Schlüssel und wünschte "Gute Nacht".

Aber seit dem Morgenessen und dem Minisnack während des Fluges hatten wir nichts mehr zu uns genommen. Entlang der breiten Strasse suchten wir nach einem Restaurant. Alle waren schon geschlossen. Es begann bedrohlich zu blitzen und laut zu donnern, als wir schliesslich unter dem Sonnendach einer kleinen Bude die bestellte Pizza muffelten. Bald prasselten Sturzbäche aufs Strassenpflaster und wir rückten etwas näher zusammen. Wie sollten wir die weite Strecke zum Nachtquartier bewältigen, ohne die nassen Kleider wechseln zu können? Als letzte Gäste rannten wir bei nachlassendem Regen abwärts und fanden erstaunlicherweise den Bungalow. Aber Geri konnte im Dunkeln die Türe nicht aufschliessen. Bei der Reception gab es zu dieser späten Stunde keine Hilfe mehr. Endlich ertasteten wir den Lichtschalter der Aussenlampe und stocherten mit dem Schlüssel weiter, bis die verflixte Türe aufsprang. Oh nun schnell ins Bett und endlich Ruhe! Es fehlten uns aber die Nachtkleider und, und, und ...

Die Decke war nur ein dünnes Leintuch. In unseren Jacken schliefen wir trotzdem ein. Am nächsten Morgen fühlte ich mich müde und abgeschlagen.  Geri eilte unrasiert davon um ein Frühstück zu besorgen. Hierauf beschlossen wir weiter zu fahren Richtung Calpe. Wie in Benidorm versperren auch hier hohe Wolkenkratzerhotels jede Aussicht und den imposanten Felsen im Meer.

Wir parkierten im Fremdentrubel und schlenderten dem Strand entlang. Rechts Restaurants, Bars, links gelangweilte füllige Gäste auf gemieteten Liegestühlen. Nein, da wollten wir nicht bleiben. Der Küstenstrasse entlang rollten wir weiter durchs malerische Villenquartier, beachteten jede Affiche und fragten lange ohne Erfolg nach Unterkunft. Ich war dem Weinen nahe, als Geri zu einem herrschaftlichen Tor abbog. Vor dem Büro empfing uns eine Deutsch sprechende, liebenswürdige Frau mit ihrem bunten Papagei auf der Hand.

"Ja momentan sind zwei Appartements frei", nickte sie eifrig. Wir wählten das bescheidenere, vier Meter vom riesigen Swimmingpool entfernte. Hohe Dattelpalmen fächelten im Wind. Wir bestaunten mannshohe Kakteen und freuten uns an der unglaublichen Blumenfülle des weiten Gartens. Zum nahen Meer gelangte man an einer Voliere vorbei durchs hintere Gartentürchen eine Treppe abwärts.

Noch mussten wir leider viele Kilometer nach Benidorm und dann nach Alicante zurückfahren, um endlich nach einem Telefonanruf unser Gepäck abzuholen. Das war der letzte Stress!

Nun begannen die beschaulichen Ferientage in "Cutty Sark"

Am 3.Oktober zeigte sich der Himmel entgegen der letzten Tage fast wolkenlos. Wir sassen gemütlich vor unserer hübschen Wohnung und beobachteten alle Phasen der Rinförmigen Sonnen-Finsternis.



Diese acht Fotos umspannen den Zeitraum von 90 Minuten mit der zentralen Phase um 11:03 Uhr.
Gerhart Klaus, 3.10.2005



Die zentralen 5 Minuten der Finsternis sind hier in kurzer Folge
 nochmals auf acht Aufnahmen zusammengestellt. 
Gerhart Klaus, 3.10.2005


Schon um 9:40 Uhr begann die dunkle Mondkugel sich vor die gleissende Sonne zu schieben. Manchmal liehen wir unsere speziellen Finsternisbrillen den Nachbarn aus. Alle staunten und wurden zusehend ruhig und bescheiden. Geri knipste und war in seinem Element. Er macht gegen 60 Aufnahmen. Schliesslich leuchtete um 11:03 nur noch ein schmaler goldener Ring vom blassen Himmel. Es herrschte aber nicht dunkle Nacht. Immer mehr gab danach die schwarze Mondscheibe die Sonne wieder frei. Verzaubert blieben wir sitzen. Was war unser zappelndes Leben neben diesem unbeschreiblichen Ereignis! Die weiteren Tage genossen wir dankbar und bewusst und brachten die belichteten Filme im Handgepäck sicher in die Schweiz. Die Bilder sind gut gelungen und die Pechsträhnen der ersten Ferientage in weiter Ferne. Wenn möglich möchten wir auch die Totale Sonnenfinsternis Ende März 2006 in der Türkei erleben.



Unser Jumbolino fliegt über Toulon 
auf's Mittelmeer hinaus.



Kurz vor der Landung in Alicante 
zieht die Balearen-Insel Formentera vorüber.



Der Wolkenkratzer-Wald von Benidorm 
entspricht nicht unserem Ideal von Ferien.



Der eindrückliche Felszahn des "Penion de Ifach" 
bei Calpe von Norden gesehen.



Unsere Wohnung auf dem Gut "Cutty Sark" grenzt 
direkt an den 25 Meter langen Swimming-Pool.



Direkt neben unserer Wohnung 
steht ein kleiner Wald von Dattelpalmen.



Geri mit seiner Sonnenfinsternis-Kamera 
zwischen der Wohnungstüre und dem Pool.



Das kleine Spiegeltele 8/600 mm von Sigma gibt 
mit dem 2x Konverter auf Film ein 
Sonnenbild von 11mm Durchmesser.



Das wild zerklüftete Cap de la Nao liegt fast 
genau auf der Zentral-Linie der Sonnen-Finsternis.



Natürlich ist es nicht möglich den Sonnenring der Finsternis zusammen mit der Landschaft auf einem Bild direkt aufzunehmen. Der Helligkeitsunterschied ist dafür viel zu gross. So habe ich ein wenig geschwindelt und zwei Fotos auf dem Computer zu einem Bild vereinigt. Aber das Resultat rechtfertigt doch wohl diesen Trick.
Gerhart Klaus, 3.10.2005

 
     
hugo jost

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