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Sonnenfinsternis mit Airton und Kim
Therese Jost, 3.10.2005

 
  Verbreitung der Astronomie in Valencia

Am 1. Oktober 2005 fliegen Hugo und ich für fünf Tage nach Valencia. Natürlich um die Sonnen-Finsternis zu sehen. Sicherheitshalber stellen wir uns aber auf  Städteferien ein um dann sicher noch die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt zu sehen, falls etwas schief gehen sollte. Wir haben zwei Tage Zeit, um in der Stadt einen guten Beobachtungsplatz zu suchen. Hugo ist der Meinung, das Ereignis könne gut mitten in der Stadt beobachtet werden. Hauptsache, die Sonne wäre zu sehen.

Wir einigen uns schnell darauf, dass die Plaza de la Reina, mitten im Zentrum von Valencia, der geeignete Beobachtungsplatz sei. Aus der Zeitung erfahren wir, dass die Astronomische Gruppe von Valencia eine Beobachtungsmöglichkeit bei der grandiosen, sehenswerten „Stadt der Kunst und Wissenschaft“ anbietet. Da das Hauptziel von Hugo das fotografieren nach einem genauen Zeitplan ist, befürchten wir dort einen zu grossen Rummel.

Nach einer mehr oder weniger geruhsamen Nacht, die Wettervorhersage ist nicht so rosig, marschieren wir los. Ein wunderbar blauer, wolkenloser Himmel erwartet uns. Da wir ein solches  Ereignis gerne ohne Hektik geniessen, installieren wir uns frühzeitig bequem im Gartenrestaurant einer Schnellimbisskette. Hugo belegt den Tisch mit seinen Unterlagen, Fotokamera und Wecker. Ich hole uns einen feinen Kaffee und so sitzen wir erst mal ganz geruhsam da und warten. Da ich meinen Mann gut kenne und weiss, dass er in solchen Momenten beim fotografieren nicht gestört werden will , habe ich mich darauf eingestellt, das Ereignis für mich alleine gemütlich mit einer Sonnenfinsternisbrille zu beobachten. Die SMS, die ich mit den Zurückgebliebenen in Grenchen austausche, tönen schlecht: Es ist bedeckt! Was sind wir doch Glückspilze: Bei uns ist es super schön!

Ich betrachte gemütlich, was da vor der Sonne so passiert. Zwischendurch beobachte ich, was ich immer gerne tue, die Leute. Da viele Passanten auf Hugo mit seinen Unterlagen und Kamera aufmerksam werden und sich wundern, wieso dieser komische Mann seine Kamera mit einer Folie abgedichtet hat, beginne ich spontan Folgendes: Ich gehe auf die Menschen zu und offeriere ihnen einen Blick durch eine meiner drei Sonnenfinsternisbrillen. Mit einem  Gemisch aus Italienisch, Englisch und Spanisch erkläre ich den Passanten, was sie da sehen können. 

 



Der Verlauf der Ringförmigen Sonnen-Finsternis fotografiert von Franz Conrad.
 

Die Reaktionen sind herrlich. Viele Passanten haben keine Ahnung, was da in diesem Moment am Himmel oben passiert. Fassungslos bemerken sie nach einem Blick durch die Brille, dass sich bei der Sonne etwas tut. Gegen 10:00 Uhr kommt Airton aus Rio de Janeiro bei uns vorbei. Er ist bei einem Kollegen, der nur drei Häuser weiter wohnt, in den Ferien und ich offeriere ihm einen Blick durch die Brille. Er ist ausser sich vor Freude, denn er weiss von dem Ereignis und hat eine Woche lang vergeblich ganz Valencia abgeklappert, um eine So-Fi Brille  zu kaufen. Er erklärt Hugo und mich spontan zu einem „Gottesgeschenk“ und geht nicht mehr von uns weg. Airton beginnt, mich spontan zu unterstützen und da er gut spanisch kann, werden wir ein gutes Team. Wir verteilen unermüdlich die „Gafers“, so heissen die Dinger nämlich auf spanisch, und erklären den Leuten, was sie sehen können.

Eine halbe Stunde später kommt Kim aus Melbourne. Sie weiss von gar nichts und ist hell begeistert von dem, was sie bei uns zu sehen bekommt. Kim reist ganz allein für drei Monate in Europa herum. Sie bleibt auch bei uns und so werden wir plötzlich zu einem gut eingespielten  Dreierteam, das Verbreitung der Astronomie mitten auf der zentralen Plaza de la Reina in Valencia macht!

Ich beobachte einen Geschäftsmann, der uns aus sicherer Entfernung lange Zeit beobachtet. Spontan gehe ich zu ihm hin und er nimmt die Gelegenheit mit dem Blick durch die So-Fi Brille gerne war. Um 11:00 Uhr kommt er dann gleich mit drei Kollegen zurück.

Ein junges Pärchen aus den Staaten ergreift die Gelegenheit auch. Ich halte die grosse Wasserflasche für sie, damit sie ruhig beobachten können. Sie sind total beeindruckt, ganz verklärt und überglücklich gehen sie weiter. Ich muss sie rufen und ihnen nachrennen: Die profane Wasserflasche ist plötzlich vergessen gegangen.

Natürlich gibt es auch ganz skeptische Menschen, die  unserem Dreierteam in einem grossen Bogen ausweichen. Angst davor, dass wir ihnen etwas verkaufen wollen?

Krankenschwestern kommen um 10:00 Uhr vorbei. Sie benutzen die Gelegenheit eine Stunde später nochmals um das Schauspiel nochmals zu betrachten. Hoffentlich gab es  während dieser Zeit keinen Notfall!

Es kommen recht viele alte Damen bei uns vorbei. Sie sind wohl am einkaufen. Ich helfe ihnen mit den Brillen und wenn sie das Ereignis vor der Sonne sehen, sind sie sprachlos und es entfährt ihnen spontan ein „miragroso.“ Sie bedanken sich dann endlos bei mir und ich habe fast das Gefühl, ich hätte dieses Spektakel am Himmel speziell für sie inszeniert.

Es ist ja auch eigenartig, dass man von blossem Auge nichts bemerkt. Es ist ein Tag wie jeder andere, die Sonne scheint wie immer. Nur um 11:00 Uhr herum, passiert es: Ein eigenartig fahles Licht überfällt den ganzen Platz. Die alten Häuser, die sonst gelb schei-nen, haben plötzlich eine ganz komische, graue Farbe. Alle Menschen stehen in Gruppen oder vereinzelt  da, es ist still, niemand spricht mehr, die Autos haben fast alle angehalten.

Um 12:30 Uhr ist alles vorbei. Airton holt uns allen Kaffee und wir sitzen zu viert beisammen. Die Spannung  ist vorbei! Wir erzählen einander, woher wir kommen, tauschen Adressen aus und Hugo beantwortet  die vielen astronomischen  Fragen der Beiden. Insgesamt haben wohl an die siebzig Personen mit unseren Schweizer So-Fi-Brillen das Ereignis beobachten können.

Danach fahren Hugo und ich mit der Strassenbahn an den schönen Strand von Malvarosa. Wir sind fast allein und können das Ereignis in aller Ruhe auf uns nachwirken lassen. Plötzlich  überfällt mich eine enorme Unruhe und ein Zittern, das ich den ganzen Morgen nicht gehabt habe. Es muss die Erlösung sein: ja, ja, ja, es hat alles geklappt, wir haben die Finsternis, auf die wir so lange gewartet haben, gesehen.


Valencia: Stadt der Kunst und Wissenschaft. 
Eine einmalige Architektur.


PLaza de la Reina, Sonntag Nachmittag 2 Uhr. 
Hoffentlich ist das Wetter morgen besser.


Hugo fotografiert.


Kim und Airton.


Die ersten Zwei der rund 70 Besucher.


Da sind es schon ein paar Besucher mehr. Alle 
warten geduldig auf die Sonnen-Finsternis-Brillen.


Unser spontan gebildetes, internationales Astronomie-Team. Von linls nach rechts: Kim aus Australien, Airton aus Brasilien, ich und Hugo.


Jetzt endlich bleibt Zeit zum 
Kaffee trinken und schwatzen.


Der wunderschöne, entspannende Strand von Malvarosa.

 
     
hugo jost

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